Eine katholische Chronik, protestantisch korrigiert

Ulrich von Richental: Chronik des Konstanzer Konzils. Augsburg: Anton Sorg, 1483

Maße: 32 x 22,5 cm
Einband aus Schafleder über Holzdeckeln
Signatur: Inc 83a
Provenienz: Joseph Lewin Metzsch auf Mylau; Georg von Falckenstein Trützschler; Balthasar Friedrich Baron von Logau
Sammlung: Inkunabeln der HAAB Weimar 

Schon auf dem Weg nach Konstanz, im Oktober 1414, gab es Turbulenzen: Der Wagen des Papstes kam auf dem Arlberg ins Kippen und stürzte um »und do er herauf auff den arlenberg kam beÿ dem kloesterlin do viel der wagen darinne er für umb und lag in dê schnee«. Das Unglück, wofür der Papst den Teufel verantwortlich machte »Jaceo hic in nomine dÿaboli das ist zu teütsch gesprochen ÿch lig hÿe in dem namen des teüfels« (fol. 19 recto und verso), scheint die späteren Ereignisse vorauszunehmen. Die bei Anton Sorg gedruckte Ausgabe ist besonders informativ: Sie enthält Gebrauchsspuren eines Lesers aus dem 16. Jahrhundert, der einige der Holzschnitte protestantisch korrigiert und mit handschriftlichen Bemerkungen versehen hat: So wird aus dem Unglück von Papst Johannes XXIII., seinem Sturz aus der Kutsche und dem Gedanken, dass er hier nun im Namen des Teufels liege, sinngemäß, dass der Teufel nun im Drecke liege.[1]

Das allgemeine Konzil der Kirchengeschichte wurde auf Initiative von Sigismund von Luxemburg und Papst Johannes XXIII. einberufen und zwischen 1414 und 1418 in Konstanz abgehalten. Das politische Ziel, die Beseitigung des Abendländischen Schismas, also der Kirchenspaltung, hätte einen Rücktritt der zu dieser Zeit amtierenden Päpste zur Folge haben müssen: Am 29. Mai 1415 enthob man Papst Johannes XXIII. seines Amtes, der erst nach Schaffhausen und dann nach Freiburg im Breisgau floh. Am 11. November 1417 schließlich wählte man Martin V., der im Gefolge von Johannes XXIII. nach Konstanz gereist war, zum Papst.[2] Die wichtigsten Ereignisse des Konstanzer Konzils als Versammlung von Bischöfen und anderen hohen Vertretern der katholischen Kirche, hielt der Sohn des Konstanzer Stadtschreibers, Ulrich von Richental, chronologisch fest. Seine Stadtgeschichte reicherte er mit Personen- und Wappenverzeichnissen sowie zahlreichen Illustrationen an.

Das Konzil bestimmte auch das Schicksal des populären Prager Predigers und Kirchenreformers, Jan Hus sowie dessen Schüler, Hieronymus von Prag, die in Konstanz als Häretiker, also Ketzer, festgenommen und dem Feuertod übergeben wurden. Dieses Urteil führte in Böhmen zu Volksaufständen, die in den Hussitenkriegen endeten.

Text: Claudia Kleinbub

[1] »Hic iacet i[n]animus [d]yabilus (hier liegt der leblose Teufel): hie leich der theufel im drecke.« Vgl. Raffel 2005, S. 75-76 und Kratzsch 2004, S. 31-37. 

[2] Vgl. BBKL 1992, Bd. III, Spalten 233-237 und BBKL 1993, Bd. V, Spalten 912-915.

Digitalisat des Buches: Ulrich von Richental: Chronik des Konstanzer Konzils. Augsburg: Anton Sorg, 1483

Der Text erschien erstmals in: Reise in die Bücherwelt. Hrsg. im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar von Michael Knoche. Köln, Weimar: Böhlau 2011.

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