Das erste umfassende Geschichtswerk des Humanismus

Hartmann Schedel: Liber chronicarum, Chronica Deu[t]sch. Nürnberg: Anton Koberger, 1493

Maße: 47 x 33,5 cm
Einband aus Schweinsleder über Holzdeckeln, 1560
Signatur: Inc 122
Provenienz: Alter Bibliotheksbesitz
Sammlung: Inkunabeln der HAAB Weimar

Eingeleitet wird das kostbare Buch durch die Schöpfungsgeschichte. Auf diese folgen die Episoden des Alten Testaments und bedeutende historische Ereignisse, die bis ins Jahr 1492 reichen. Beschreibungen von Ländern, wichtigen Städten Deutschlands, des Abendlandes und von Naturereignissen runden das Weltbild ab: Dass die Schedelsche Weltchronik  zum ersten großen Geschichtswerk des Humanismus wurde, geht auf den Nürnberger Humanisten und Arzt, Hartmann Schedel zurück, der die Chronik zusammenstellte. Diese gehört nicht nur zu den bekanntesten Büchern des ausgehenden 15. Jahrhunderts, sondern auch zu denen, die am umfangreichsten illustriert sind. Sie enthält 1804, sich manchmal wiederholende Holzschnitte, die in der Nürnberger Werkstatt von Michael Wolgemut und dessen Stiefsohn Wilhelm Pleydenwurff entstanden sind. Der Holzschnitt von Würzburg wurde aus drei Holzstöcken zusammengesetzt: Da sich Würzburg in der Zeit des Barock stark verändert hat, ist diese wohl älteste und erste authentische Stadtansicht von kulturhistorischem Wert.

In Auftrag gegeben wurde das Kompendium von Sebald Schreyer und Sebastian Kammermeister aus Nürnberg, »auf deren Anregung und Begehren«.[1] Es erschien am 12. Juli 1493 bei Anton Koberger in Nürnberg in einer 656 Seiten umfassenden lateinischen Ausgabe und einer Auflage von 1400 Stück. Die vom Stadtschreiber Georg Alt ins Deutsche übertragene Fassung wurde am 23. Dezember des gleichen Jahres aufgelegt, in 700 Exemplaren gedruckt und umfasst 597 Seiten.[2] Die Weltchronik wurde ein solcher Erfolg, dass 1496 und 1497 bei Johann Schönsperger in Augsburg ein kostengünstigerer Raubdruck der lateinischen Originalausgabe erschien, auf den 1500 ein deutscher Raubdruck folgte[3], was Nachteile für Koberger hatte: Bis 1509 waren 571 seiner hochpreisigen lateinischen Exemplare noch nicht verkauft. Zum Vergleich: Ein unkoloriertes Exemplar kostete ca. 3, ein koloriertes 5 und eine gebundene ausgemalte Ausgabe etwa 8 Gulden. Ein Bauarbeiter im 15. Jahrhundert verdiente jährlich zwischen 15 und 30 Gulden. [4] Die Herzogin Anna Amalia Bibliothek besitzt zwei lateinische (Inc 118, Inc 145) und zwei deutsche Fassungen (Inc 122, Inc 134) der Schedelschen Weltchronik.

Text: Claudia Kleinbub

[1] Vgl. Füssel 2001, S. 651-652 und ebd. S. 15.

[2] Vgl. Kratzsch 1981, S. 41.

[3] Vgl. ebd. S. 41 und weiterführend vgl. Raffel 2005, S. 88- 91 sowie Raffel 2007, S. 60-67.

[4] Vgl. Raffel 2007, S. 66 und ebd. S. 62.

Digitalisat des Buches: Hartmann Schedel: Liber chronicarum, Chronica Deu[t]sch. Nürnberg: Anton Koberger, 1493

Der Text erschien erstmals in: Reise in die Bücherwelt. Hrsg. im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar von Michael Knoche. Köln, Weimar: Böhlau 2011.

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