Vergebliche Werbung: Heines Reisebilder in Goethes Hand

Heinrich Heine: Reisebilder. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1826

Maße: 18,5 x 12 cm
Einband aus Pappe
Signatur: Ruppert 0953
Provenienz: Goethe-Bibliothek

Als Heinrich Heine Goethe am 2. Oktober 1824 besuchte, lagen von Seiten des jungen Autors bereits Annäherungsversuche an den Dichter hinter ihm. 1821 hatte »Cand. Juris. Heine« seinen ersten Gedichtband mit einem Begleitbrief von Berlin nach Weimar und seine 1823 erschienenen Tragödien, nebst lyrischem Intermezzo noch im selben Jahr, mit Widmung versehen, an Johann Wolfgang von Goethe gesandt. 1826 erhielt Goethe das mit einer handschriftlichen Widmung versehene Exemplar Reisebilder. Von seiner Harzreise zurückkehrend, bittet der bereits in Weimar logierende Heine in einem Brief vom 1. Oktober 1824 um eine Audienz. Unter Hinweis auf das vor Jahren Zugesandte bringt er sich bei Goethe in Erinnerung, behauptet »nur Ihre Hand küssen und wieder fort gehen« zu wollen und begründet sein Verlangen »zur Verehrung Göthes nach Weimar zu pilgern« mit dem Moment, da er auf dem Brocken gestanden habe. Beiden ist klar, worauf Heine literarisch Bezug nimmt: Goethes Faust. Heine beschäftigte sich selbst mit diesem Thema und veröffentlichte später seinen Doktor Faust. Ein Tanzpoem. Das handschriftliche Dokument schließt, die Gewährung der Bitte erwartend, »mit Begeistrung und Ergebenheit H. Heine«. Auf die Zusendungen Heines hat Goethe in keiner Weise reagiert; Goethes Tagebuchnotiz anlässlich von Heines Besuch lautet »Heine von Göttingen« und bleibt Goethes einzige schriftliche Äußerung über Heinrich Heine.

Heine hat sich an verschiedenen Stellen, in Briefen als auch der Romantischen Schule über sein Verhältnis zu Goethe, zu dessen Leben und Werk geäußert. Die schon bald nach seinem Aufenthalt in Weimar gegenüber Freunden gemachten Äußerungen sind Polemiken gegen die Person Goethe. Hier Heine, der für die Idee Begeisterte, der Schwärmer, dort der egoistische Lebemensch und seine ministerielle Beharrlichkeit. »Ich liege also in wahrhaftem Kriege mit Göthe und seinen Schriften, so wie meine Lebensansichten in Krieg liegen mit meinen angeborenen Neigungen und geheimen Gemüthsbewegungen. Doch … diese Kriege werden sich nie äußerlich zeigen, ich werde immer zum göthischen Freykorps gehören.« (Heine an Rudolf Christiani, 26. Mai 1825. In: Elster 1901, S. 447.) Es ist auch ein Kampf der Generationen; deshalb erscheinen Heines Schilderungen als das Zerrbild eines hinfälligen alten Mannes, der große Fallhöhe besitzt, im Kontrast zu dem jugendlichen Autor, der voller Tatendrang dabei ist, Welt zu erobern, sich von Kanon und Tradition zu befreien.

Text: Roland Bärwinkel

Digitalisat des Buches: Heinrich Heine: Reisebilder. Hamburg: Hoffmann und Campe, 1826.

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