Auftakt zur Geschichte der deutschen Oper

Christoph Martin Wieland und Anton Schweitzer: Alceste. Leipzig: Druckerei, 1774

Maße: 27,5 x 32 cm
Einband aus Pappe mit schwarzem Papierüberzug (?)
Signatur: N 21869
Provenienz: Karl Gille; Zentralbibliothek der deutschen Klassik

Wieland wollte der Übermacht der italienischen und französischen Oper ein gleichwertiges deutsches Singspiel entgegensetzen. Es gab Ansätze dazu, aber noch kein Werk mit »großen moralischen Charakteren«, wie er in seinem »Versuch über das Teutsche Singspiel« forderte. Ein solches wollte er, als Prinzenerzieher an den Weimarer Hof berufen, gemeinsam mit dem Komponisten Anton Schweitzer aus der Seylerschen Theatertruppe schaffen. Die Uraufführung fand am 28. Mai 1773 im Weimarer Schloss statt, dem 15. Todestag von Anna Amalias Gemahl Herzog Ernst August Constantin. Obwohl die Auftraggeberin Herzogin Anna Amalia anfangs keineswegs begeistert war, wurde das Stück ein großer Erfolg und allein in Weimar fünfundzwanzig Mal wiederholt.

Die musikalische Tragödie in fünf Akten verwendet einen Stoff von Euripides über den Opfertod Alcestes für ihren Gemahl Admet und ihre wunderbare Befreiung aus der Unterwelt. Wielands Konzept als auch Schweitzers Komposition wurden von den Zeitgenossen kontrovers diskutiert. Besonders der Spott Goethes in Helden, Götter, Wieland (1774) tat seine Wirkung, andererseits sorgte er auch für eine andauernde Präsenz von Alceste im Bewusstsein der Zeitgenossen und später im literatur- und musikhistorischen Diskurs. Im abgebildeten Titelkupfer ist der schmerzvolle Abschied Alcestes von ihren Kindern dargestellt. Stecher ist Christian Gottlieb Geyer nach einer Zeichnung von Christian Wilhelm Steinauer.

Der ursprüngliche Besitzer des ausgestellten Exemplars ist der Jurist Karl Gille, ein Jenaer Freund von Franz Liszt, der das Werk 1895 dem Wittumspalais schenkte. Auf dem Titelblatt erläutert er handschriftlich den historischen Zusammenhang.

Die Oper wurde 2007 anlässlich der Wiedereröffnung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am Ort seiner Entstehung im Weimarer Stadtschloss von Regisseur Hendrik Müller wieder auf die Bühne gebracht.

Text: Michael Knoche

Digitalisat des Buches: Christoph Martin Wieland und Anton Schweitzer: Alceste. Leipzig: Druckerei, 1774.

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