„Kleingeachteter Dinge bewundernswürdiges Schauspiel“

August Johann Rösel von Rosenhof: Historia Naturalis ranarum nostratium, Band 1. Nürnberg, Johann Joseph Fleischmann, 1758

Maße: 43,5 x 30 cm
Kalbslederband mit goldgeprägtem Rücken und Supralibros
Signatur: Th G, 1:7 b
Provenienz: Ernst August Constantin, Herzog von Sachsen-Weimar-Eisenach
Sammlung: Naturwissenschaftliche Sammlung der HAAB Weimar

August Johann Rösel von Rosenhof verbrachte als Sohn eines Schlossverwalters seine ersten Lebensjahre im thüringischen Arnstadt. Später wurde er in Nürnberg ein erfolgreicher Miniatur- und Porträtmaler. Sein besonderes Interesse galt der wissenschaftlichen Erforschung einheimischer Insekten und Amphibien, deren Ergebnisse er in dem mehrbändigen Werk Insecten-Belustigung (1740) und der hier gezeigten Natürlichen Historie der Frösche hiesigen Landes (1753-1758) veröffentlichte. Angeregt und künstlerisch beeinflusst wurde er durch die Bücher Maria Sibylla Merians, die noch heute zu den bibliophilen Klassikern der naturwissenschaftlichen Buchillustration zählen. Auch naturtheologische Werke wie die Insecto-Theologia (1738) von Friedrich Christian Lesser dürfte er gekannt haben. Sie lehrten einen Weg der Erkenntnis Gottes durch die aufmerksame Betrachtung der kleinsten Geschöpfe in der Natur.

Das Frontispiz zur Naturgeschichte der Frösche zitiert eine antike Quelle für ihre Wertschätzung: Inmitten einer idyllischen, ganz aus der Perspektive ihrer Bewohner geschilderten Teichlandschaft erblickt der Betrachter einen denkmalähnlichen Stein mit einem Vers aus Vergils Georgica: »Admiranda tibi levium spectacula rerum« – »kleingeachteter Dinge bewunderungswürdiges Schauspiel« (Johann Heinrich Voß). Der wissenschaftliche Inhalt des Buches in lateinisch-deutschem Paralleltext befasst sich hauptsächlich mit der Anatomie der Frösche, der Klassifizierung unterschiedlicher Arten, ihrer Fortpflanzung und ihrem Lebensraum. Die Analogie zwischen Natur und Kunst greift eine ungewöhnliche Besonderheit der Ausgabe wieder auf. Die Tafeln, überwiegend anatomische Darstellungen sezierter Frösche, wurden jeweils doppelt eingebunden: als unkolorierter Kupferstich mit Nummerierungen der Details und als kolorierte Fassung ohne Referenzverweise zum Text. Erst die illusionistische Malweise vermag die Schaulust und Bewunderung des Betrachters zu wecken. In ihrer leuchtenden Farbigkeit erscheinen einzelne Organe der mit Nadeln, Stellschrauben und Schnüren fixierten Präparate fast wie kleine Preziosen, was die Assoziation zu den beliebten Kunst- und Naturalienkabinetten herstellt. Doch auch Leben und Tod bilden hier eine Analogie, als Memento mori an den Betrachter.

Text: Katja Lorenz

Das Digitalisat zum Buch: August Johann Rösel von Rosenhof: Historia Naturalis ranarum nostratium, Band 1. Nürnberg, Johann Joseph Fleischmann, 1758.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.